#85 "Entschuldige dich" Kinder brauchen mehr als nur dieses eine Wort
Shownotes
Müssen Kinder sich eigentlich entschuldigen?
Diese Frage hat mir vor Kurzem eine Mama gestellt und genau darüber möchte ich heute mit dir sprechen. In dieser Folge geht es nicht darum, ob es den einen richtigen Weg gibt. Denn den gibt es aus meiner Sicht nicht. Ich teile vielmehr meine persönliche und pädagogische Sicht auf das Thema und spreche darüber, warum eine Entschuldigung für mich erst dann Bedeutung bekommt, wenn ein Kind wirklich versteht, was passiert ist. Wir schauen gemeinsam darauf, wie Empathie entsteht, warum Wiedergutmachung oft wichtiger ist als ein schnell ausgesprochenes „Entschuldigung“ und welche Rolle wir Eltern dabei als Vorbilder spielen.
In dieser Folge erfährst du:
🤍 Warum eine Entschuldigung mehr ist als nur ein Wort
🤍 Wie Kinder echte Empathie und Verantwortung entwickeln
🤍 Weshalb Wiedergutmachung ganz unterschiedlich aussehen kann
🤍 Warum unsere eigenen Entschuldigungen oft die wertvollsten Vorbilder für unsere Kinder sind.
Eine Folge für alle Eltern, die ihr Kind nicht nur höflich, sondern auch mitfühlend und verantwortungsbewusst durchs Leben begleiten möchten.
„Es gibt nicht den einen Weg, es gibt nur deinen Weg“
Deine Romina
👉 Hier <- geht's zur Website und zur Warteliste und
👉 hier <- zu unserem Instagram-account „familienkompass.app“.
Transkript anzeigen
00:00:00: Hallo und herzlich willkommen beim Podcast von Familienkompass.
00:00:10: Mein Name ist Romina, ich bin Mama, Ehefrau Sozialpädagogin und Gründerin der Familienkombass-App.
00:00:15: Und dieser Podcast hier ist für alle Mamas und Papas die vor den täglichen Herausforderungen des Bundfamilienalters stehen, die offen für neue Perspektiven sind und die ihren ganz eigenen und auch persönlichen Weg in Punktualisierung finden möchten, der sich aber für alle Familienmitglieder richtig anfühlt!
00:00:30: In der heutigen Podcastfolge sprechen wir über ein Thema das ich vor ein paar Tagen in einer Unterhaltung mit einer anderen Mama hatte.
00:00:36: es geht Um die Frage müssen Kinder sich eigentlich entschuldigen.
00:00:40: Ich freue mich, dass du wieder mit dabei bist und wir starten direkt los!
00:00:45: Hallo, schön dass du wieder mit am Start bist hier bei einer neuen Folge vom Familienkompass-Podcast.
00:00:49: Vor ein paar Tagen habe ich mich mit einer anderen Mama unterhalten und irgendwann im Gespräch sagte zu mir hey Romina Du bist doch Pädagogin wie siehst du das ganze eigentlich?
00:00:57: müssen Kinder sich entschuldigen Und ich musste nicht lange überlegen weil ich habe zu diesem Thema tatsächlich eine ganz klare Haltung.
00:01:04: gleichzeitig hab ich ihr aber auch gesagt Ich finde nicht dass es hier ein allgemeines richtig oder falsch gibt.
00:01:09: jede Familie hat andere Werte jedes Kind ist anders und jede Situation ist natürlich auch anders das bewertet werden.
00:01:15: Deshalb möchte ich dir heute gar nicht erzählen, wie du es machen solltest!
00:01:19: Ich möchte einfach meinen Blick auf dieses Thema mit dir teilen und vielleicht findest du dich darin wieder?
00:01:23: Vielleicht machst du's auch ganz anders – und auch das ist völlig in Ordnung – was sich allerdings immer wieder beobachtes Folgendes.
00:01:29: Ein Kind nimmt beispielsweise einem anderen Kind das Spielzeug weg… Das andere Kind fängt an zu weinen.
00:01:34: Der erste Satz, der dann häufig fällt ist, das macht man nicht entschuldige dich und bestimmt kennst du auch solche Situationen vom Spielplatz oder von Spielverabredungen?
00:01:42: Und das Kind momelt vielleicht so leise eine Entschuldigung aber es ist halt eher gemomelt als gesprochen und ganz oft habe ich dann das Gefühl wenn ich jetzt beobachte dass dieses Wort in dem Moment gar keine Bedeutung hat Nicht weil Kinder sich grundsätzlich nicht entsschuldigen möchten sondern weil sie häufig noch gar nicht verstanden haben was hier gerade passiert ist.
00:02:01: Für mich stellt sich deshalb zuerst immer eine andere Frage.
00:02:05: Was soll mein Kind durch diese Entschuldigung überhaupt lernen?
00:02:08: Geht es darum, dass es das Wort Entschuligung sagt oder geht es darum ,dass es versteht was das eigene Verhalten beim anderen ausgelöst hat und was eine Entschouldigung überhaupt bedeutet ?
00:02:20: Und für mich ist das der große Unterschied Denn eine Entschuldigung, die einfach nur ausgesprochen wird.
00:02:26: Weil Mama oder Papa das gerade so erwarten fühlt sich für mich total leer an.
00:02:32: Das Kind folgt dann meiner Bitte meine Aufforderung mehr aber auch nicht und Verständnis entsteht dadurch absolut nicht.
00:02:39: Deshalb würde ich persönlich in so einer Situation anders vorgehen.
00:02:43: Bleiben wir einfach mal bei diesem Beispiel mit dem Spielzeug, ein Kind nimmt einem anderen Kind das Auto weg und das andere Kind weint dann.
00:02:50: Und natürlich greife ich dann auch ein.
00:02:52: Ich lasse meinen Kind in dieser Situation nicht alleine aber ich gehe nicht als erstes hin und sage Das macht man nicht jetzt.
00:02:58: entschuldige dich!
00:02:59: Ich nehme mein Kind erstmal ganz kurz zu mir.
00:03:02: Ich möchte nämlich verstehen was gerade passiert ist weil ich die Situation vielleicht selbst gar bekommen habe oder ich habe diese Torzone mitbekommen, verstehe aber selber gerade noch nicht so richtig was los ist und vielleicht wollte mein Kind einfach unbedingt dieses Auto haben.
00:03:17: Vielleicht dachte mein Kind aber auch, dass andere Kind wäre fertig und vielleicht steckt auch was völlig anderes dahinter.
00:03:23: Ich finde auch unser Kind hat dann in solchen Situationen auch das Recht gehört zu werden nicht um dieses Verhalten, dieses Wegnehmen irgendwie schönzureden sondern um zu verstehen.
00:03:34: Denn erst wenn ich weiß warum ein Kind gerade so gehandelt hat kann ich es auch gut begleiten Und nachdem ich dann weiß was hier gerade passiert ist und was da hintersteckt schaue ich gemeinsam mit meinem Kind im Gespräch wie das andere Kind sich jetzt gerade fühlt und was mein Kind oder was wir vielleicht auch zusammen machen könnten.
00:03:53: Und je nach Alter kann daraus dann auch schon so ein richtiges Gespräch entstehen, mit kleineren Kindern bleiben die Sätze natürlich einfacher und kürzer.
00:04:00: Mit älteren Kindern kann man viel mehr darüber sprechen, wie sich das andere kind grade fühlt beginnt bei diesem Gespräch, wenn ich dieses Verständnis dafür aufbaue.
00:04:11: Genau dort beginnt für mich Empathie und nicht beim Wort Entschuldigung sondern bei dem Verständnis für den anderen Menschen.
00:04:19: denn wenn mein Kind gerade wirklich versteht Oh, wegen mir ist der andere gerade traurig.
00:04:24: Dann entsteht aus meiner Sicht überhaupt erst die Grundlage für eine ehrliche Entschuldigung.
00:04:29: und diese Entschuldigung muss übrigens gar nicht immer aus dem Wort Inschuldigungen bestehen – das vergessen wir Erwachsenen manchmal –.
00:04:35: Kinder drücken wieder Gutmachung oft ganz anders aus.
00:04:38: sie geben beispielsweise das Spielzeug zurück oder sie holen das Lieblingskuscheltier zum Trost Sie malen ein Bild Oder bringen im anderen Kind wortlos das eigene Lieblungsauto.
00:04:47: Auch das kann eine Form von Entschultigungen sein Und manchmal steckt darin sogar viel mehr als in diesem schnell dahingesagten Entschuldigung.
00:04:55: Und ich finde genau dafür dürfen wir Eltern auch unseren Blick weiten, wie verbinden eine Entschuligung oft mit diesen bestimmten Wort?
00:05:02: Kinder verbinden sie viel häufiger mit einer Handlung und das ist auch völlig logisch!
00:05:07: Gerade kleine Kinder drücken ihre Gefühle noch viel stärker über ihr Verhalten aus als über ihre Sprache weil sie dazu auch einfach kognitiv häufig noch gar nicht das Alt erreicht haben.
00:05:17: Deshalb finde ich es wichtig nicht nur darauf zu achten ob Mein Kind das Wort Entschuldigung gesagt hat, sondern viel mehr darauf zu achten was danach passiert.
00:05:26: Hat es verstanden warum das andere Kind gerade traurig ist?
00:05:28: Möchtest die Situation wieder gut machen zeigt es mit Gefühl denn genau das wünsche ich mir eigentlich nicht dass mein kind möglichst früh lernt ein bestimmtes wort zu sagen sondern dass es versteht welche wirkung das eigene Verhalten auf andere Menschen haben kann.
00:05:44: Und deshalb ist es aus meiner Sicht wichtig, Kinder am Anfang auch dabei zu begleiten.
00:05:49: Ich würde zum Beispiel niemals erwarten, dass ein zwei- oder dreijähriges Kind jede Situation oder doch jede Situation alleine lösen kann.
00:05:57: Warum auch?
00:05:58: Wir begleitern unser Kind in so vielen anderen Bereichen ebenfalls!
00:06:01: Wir helfen ihm beim Anziehen, beim Fahrradfahren, beim Lernen... warum sollten wir ausgerechnet mit dieser sozialen Interaktion, warum sollten wir es da sein lassen?
00:06:11: Zu Beginn auf jeden Fall.
00:06:12: Wenn Kinder älter sind ist das natürlich genauso wichtig die gewisse Situation auch alleine klären zu lassen.
00:06:18: aber dafür dürfen wir als Eltern erstmal den Grundstein legen wenn ich mit meinen Kindern, wenn wir in einer Situation gemeinsame gesprochen haben und ich merke mein Kind möchte sich eigentlich entschuldigen weiß aber gerade noch nicht so richtig wie dann kann ich sagen sollen wir zusammen zu dem anderen Kind gehen, oder?
00:06:37: Komm!
00:06:38: Wir machen das gemeinsam.
00:06:39: Vielleicht spreche ich die ersten Worte vielleicht reicht auch einfach meine Nähe aus, vielleicht sage Ich ist auch für mein Kind und beim nächsten Mal sagen wir es dann gemeinsam Denn irgendwann brauchen unsere Kinder diese Unterstützung nicht mehr.
00:06:52: Und genau das durfte ich bei meinen Kindern auch beobachten.
00:06:55: Als sie noch kleiner waren kam dieses klassische Entschuldigung natürlich Noch nicht.
00:07:00: Sie haben ihre Wiedergutmachung anders gezeigt, wie ich auch eben in dem Beispiel schon gesagt habe.
00:07:04: Auch unsere Kinder haben dann das Spielzeug einfach wieder zurückgegeben oder sie haben ein ganz neues Spielzeug gebracht.
00:07:09: Unsere Tochter liebt es zu malen und hat auch ganz viele Bilder gemalt.
00:07:13: Oder wenn jetzt beispielsweise auch ein Geschwisterkonflikt war, dann haben sie sich manchmal mit den Armen genommen.
00:07:17: Heute wo meine Kinder älter sind gehört das Wort Entschuldigung Ja, ganz selbstverständlich mit zum Alltag dazu.
00:07:23: Nicht immer aber immer häufiger.
00:07:25: und wenn Sie merken dass sie über das Ziel hinaus geschossen sind kommen Sie auch auf mich zu sagen hey Mama tut mir leid und das passiert jetzt natürlich auch nicht jedes mal.
00:07:33: sie sind Kinder die dürfen sich entwickeln.
00:07:36: ich persönlich glaube nicht dass Kinder Empathie dadurch lernen dass wir möglichst oft das Wort Entschuldigung einfordern.
00:07:43: Ich glaube sie lernen Empathy dadurch dass sie erleben wie wir mit Fehlern umgehen.
00:07:48: Und damit komme ich auch zu einem Punkt der noch wichtiger ist.
00:07:52: Wir sprechen oft darüber, ob Kinder sich entschuldigen sollen, wie Kinder sich einschulden sollen und wie wir die Kinder dabei begleiten sollen.
00:07:59: aber viel seltener sprechen wieder rüber, wie wir Erwachsenen das eigentlich machen denn auch wir machen Fehler.
00:08:05: Ich mache Fehler.
00:08:06: Und zwar regelmäßig, es gibt Tage an denen ich total ungeduldig bin und es gibt Momente in denen ich lauter werde als ich's eigentlich wollte oder ich reagiere auf eine Situation obwohl ich im Nachhinein merke dass sich meinem Kind dadurch komplett unrecht getan haben.
00:08:21: Meine Kinder dürfen und sollen sehen das ich Fehler mache denn sie dürfen genauso sehen wie ich dann auch damit umgehe.
00:08:28: und wenn ich merke Dass ich mich nicht richtig verhalten habe gehe ich zu meinem kind sage Schatz dass gerade eben in Ordnung, es tut mir leid.
00:08:36: Jeder Mensch macht Fehler.
00:08:38: entscheidend ist das oder was wieder nach daraus machen.
00:08:41: und genau aus solchen Momenten nehmen Kinder unglaublich viel mit ihr Leben dass man sich irren kann, dass Fehler dazu gehören und dass man aber danach auch wieder eine Beziehung aufbauen kann.
00:08:54: und vielleicht ist auch genau das der Grund warum das Wort Entschuldigung bei uns heute so selbstverständlich geworden ist.
00:09:00: nicht weil wir's damals immer aktiv eingefordert haben, sondern weil es zum Alltag dazugehört.
00:09:06: Weil meine Kinder erleben dass auch Mama und Papa sich entschuldigen das niemand perfekt ist und dass wir nach einem Streit auch wieder aufeinander zugehen können.
00:09:15: Und ein Gedanke ist mir zum Schluss noch wichtig Wenn mein Kind sich bei mir entschuldigt, dann nehme ich diese Entschuldigung natürlich auch an.
00:09:22: Das bedeutet aber nicht, dass meine Gefühle in diesem Moment sofort verschwinden müssen.
00:09:27: Wenn ich merke, dass ich gerade noch Gefühlen in mir habe und die noch einen Moment brauchen, darf das genauso sein!
00:09:33: Ich sage zum Beispiel Danke meinen Schatz, dass du dich bei mir einschuldigst.
00:09:38: Ich merke aber, dass es gerade noch einen kleinen Moment braucht.
00:09:40: Ich trinke jetzt noch mal den Kaffee zu enden und danach können wir supergern zusammenspielen zum Beispiel jetzt.
00:09:46: Ich finde, Kinder dürfen auch das lernen!
00:09:48: Eine Entschuldigung macht das Gefühl nicht ungeschehen aber sie kann der erste Schritt sein wieder aufeinander zuzugehen und genau das ist für mich die eigentliche Bedeutung einer Entschuligung.
00:09:59: Sie soll ja keine Pflichtübung sein kein Wort dass gesagt wird damit wir Erwachsenen zufrieden sind.
00:10:06: Sie isst eine Möglichkeit Verantwortung zu übernehmen und Verständnis zu zeigen und eine Beziehungen wieder herzustellen ob das immer mit dem wort oder manchmal erst mit einer kleinen Geste spielt für mich dabei keine entscheidende Rolle.
00:10:20: Viel wichtiger ist, dass unser Kind unsere Kinder verstehen warum sie sich entschuldigen möchten denn aus diesem Verständnis heraus entsteht etwas das sie ein Leben lang begleitet und ich hoffe sehr, dass ich dir heute einfach mal einen Blick auf dieses Thema mitgeben konnte.
00:10:35: wie ich am Anfang schon gesagt habe es gibt hier es gibt für mich hier keine oder kein allgemeines richtig und falsch.
00:10:41: Familien dürfen ihren eigenen Weg finden.
00:10:44: Und das ist unser Weg, dass es mein Weg!
00:10:46: Vielleicht war ja auch der eine oder andere Gedanke für dich dabei den du mit in deinen Familienalltag mitnehmen möchtest.
00:10:53: Ich freue mich, dass du heute wieder zugehört hast und denk immer dran Es gibt nicht den einen Weg, es gibt nur dein Weg Deine Romina.
Neuer Kommentar